Donnerstag, 09. September 2010

Gute Beine und gute Platzierungen bei der WM in St. Johann - Nur der ganz große Wurf blieb aus

WM 2010 - Max am Berg

  Max geht als 3. über die Huber Höhe und führt die Verfolger an

by Maximilian Rathke

Diese Meisterschaften finden nun schon über Jahrzehnte statt; der Weltcup bereits das 42. Mal und die UCI-Weltmeisterschaft der Senioren seit 1989. Seit 1989 gehört die Klasse der Senioren gleichberechtigt mit zu den Rennsport-Klassen der Junioren, der U23 und der Elite im männlichen und weiblichen Bereich. Die Weltmeister aller Altersklassen bekommen die gleiche Medaille. So sieht zum Beispiel meine Silbermedaille von 2004 genau so aus, wie die von Erik Zabel.

Das Gebiet um St.Johann/Tirol ist eine typische Alpenregion, allerdings mit dem Wetterphänomen eines starken Föhneinflusses behaftet. Im Sommer daher oft sehr schwül warm. Da es außerdem auf etwa 800m Höhe liegt, ist es angeraten, sich als Flachländer, wie wir Brandenburger es sind, zu akklimatisieren.

Als Rentner und St.Johannsüchtiger habe ich Zeit, deshalb fuhr ich schon eine Woche früher nach St.Johann. Über die Jahre, ich nehme nun schon zum 10. mal an der WM teil, hat sich als guter Formgradmesser die Trainingsrunde von Fieberbrunn aus über den Pillersee-Pass erwiesen. Wie jedes Jahr, obwohl ich zu Hause viel und gut trainiert habe, hatte ich am ersten Tag auf dem Gipfel trotz „Rettungsring" keine Luft mehr und die Beinmuskulatur brannte. Am dritten Tag bin ich schon mit dem großen Blatt darüber gefahren; ein Zeichen für Akklimatisierung.

Wie immer startete ich mein erstes Weltcuprennen als Generalprobe in der jüngeren Altersklasse (Scheer-Rennen). Oh Schreck, 130 Nummern waren vergeben, dementsprechend hektisch war dann auch die Startphase. Aber oben an der Huberhöhe hatte sich das Feld bereits sondiert, 42 Fahrer fuhren über die Kuppe und blieben bis auf zwei Ausreißer zusammen. Also Massensprint um Bronze. Der Einlauf war wie immer sehr verbissen und daher gefährlich. Ich hielt mich raus und wurde trotzdem noch 24. Meine Beine waren echt gut und ich war problemlos über die Steigungen gekommen. Reinhard Scheer war nicht mitgefahren, da er kein Risiko vor seiner Zeitfahr-WM eingehen wollte. Am Dienstag dann mein eigentliches Weltcuprennen. An der Huberhöhe fuhren ein Franzose und ein Neuseeländer auf und davon. Ich initiierte eine sechsköpfige Verfolgergruppe, die aber nur zur Hälfte bis Schwendt ordentlich kreiselte und vor dem 2. Anstieg von den „Rollern" eingeholt wurde. Wir waren dann 34 Verfolger, die um Bronze kämpften. Obwohl der Endkampf für mich günstig lief, wurde ich nach einem 250m-Spurt „nur" 4. aus dem Feld und damit also Gesamtsechter. Ein schöner großer Pokal war der Lohn. - Die WM musste es also bringen!

Am Mittwoch dann fand die Zeitfahr-Weltmeisterschaft statt. Hier verfehlte Reinhard Scheer nur ganz knapp den WM-Titel mit einer Zeit von 27.13 min. Ich hielt die Beine still und kämpfte nicht gegen die Uhr. Die 2. Hälfte der Woche, also Donnerstag bis Samstag, war der UCI-Weltmeisterschaft vorbehalten.

Maximilian vor dem Start WM 2010

           Der Müllsack von den Bauarbeitern am Streckenrand
                                 - die letzte Versuchung ;-)

Am Donnerstag wurde Reinhard Scheer in der Altersklasse 65-69 Weltmeister, nachdem ein Italiener, welcher, weil wegen Doping gesperrt, unter falschen Namen gestartet war, disqualifiziert wurde. Am Freitag war dann mein großer Tag. Entsprechend heftig mein Adrenalinspiegel. Der Tag versprach schön zu werden. Auf der Warmfahrstrecke waren dann alle entsprechend sommerlich angezogen. Dann aber zog unvermittelt, wie es allerdings im Hochgebirge typisch ist, kurz vor dem Start ein Unwetter auf. Zum Umkleiden blieb keine Zeit mehr. Der Start erfolgte in strömendem Regen und es kam heftiger Wind begleitet von einem Kälteeinbruch auf. Trotz eigentlich ungeeigneter Laufräder und Reifen „schwamm" ich, kaum etwas durch die optische Sonnenbrille sehend, im vorderen Feld mit. Vier Ausreißer konnten sich mit 18 Sekunden ins Ziel retten. 17 Rennfahrer spurteten um Platz 5. Durch einen Sturz im rangelnden Feld nahe der 1000m-Marke leicht behindert, holte ich im Spurt noch mächtig auf und belegte den 12. Gesamtrang Bei dieser Unwetterfahrt mit nicht ganz regulären Bedingungen noch eine ansprechende Platzierung und eine gute Ausgangsbedingung für 2011(!). Bei der allabendlichen Siegerehrung bekam ich meinen 14. Pokal innerhalb meiner 10jährigen Teilnahme.

Es war eine schöne und hochklassige Rennwoche und für mich ein 14tägiger Urlaub in Österreich. Es war aber auch die letzte UCI Weltmeisterschaft! Die UCI ordnet ab 2011 die Senioren dem Breitensport zu. Damit werden die Masters zu Hobby-Fahrern. Auf einem Flugblatt jedoch verspricht der Organisator der Renntage in St.Johann weiterhin eine WM auf Basis einer neu geschaffenen Föderation. Nach dem Motto: - es gibt ja auch mehrere Box-Weltmeister -..... Das Ganze jedoch symptomatisch. „Der Einfluss vieler Senioren auf das Bestehen und die Entwicklung der Vereine und die Vorbildwirkung wird nicht gewürdigt." Außerdem unterscheidet sich der lizenzierte Masters deutlich im Leistungsvermögen vom „Hobby". Vielleicht ändert man die Entscheidung noch einmal, wenn genügend Proteste beim UCI eingehen und die nationalen Verbände Einspruch einlegen.

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