Gute Beine und gute Platzierungen bei der WM in St. Johann - Nur der ganz große Wurf blieb aus
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Max geht als 3. über die Huber Höhe und führt die Verfolger an |
by Maximilian Rathke
Diese Meisterschaften finden nun schon über Jahrzehnte statt; der
Weltcup bereits das 42. Mal und die UCI-Weltmeisterschaft der Senioren seit
1989. Seit 1989 gehört die Klasse der Senioren gleichberechtigt mit zu
den Rennsport-Klassen der Junioren, der U23 und der Elite im männlichen
und weiblichen Bereich. Die Weltmeister aller Altersklassen bekommen die
gleiche Medaille. So sieht zum Beispiel meine Silbermedaille von 2004 genau
so aus, wie die von Erik Zabel.
Das Gebiet um St.Johann/Tirol ist eine typische Alpenregion, allerdings mit
dem Wetterphänomen eines starken Föhneinflusses behaftet. Im Sommer
daher oft sehr schwül warm. Da es außerdem auf etwa 800m Höhe
liegt, ist es angeraten, sich als Flachländer, wie wir Brandenburger es
sind, zu akklimatisieren.
Als Rentner und St.Johannsüchtiger habe ich Zeit, deshalb fuhr ich schon
eine Woche früher nach St.Johann. Über die Jahre, ich nehme nun
schon zum 10. mal an der WM teil, hat sich als guter Formgradmesser die
Trainingsrunde von Fieberbrunn aus über den Pillersee-Pass erwiesen. Wie
jedes Jahr, obwohl ich zu Hause viel und gut trainiert habe, hatte ich am
ersten Tag auf dem Gipfel trotz „Rettungsring" keine Luft mehr und die
Beinmuskulatur brannte. Am dritten Tag bin ich schon mit dem großen
Blatt darüber gefahren; ein Zeichen für Akklimatisierung.
Wie immer startete ich mein erstes Weltcuprennen als Generalprobe in der
jüngeren Altersklasse (Scheer-Rennen). Oh Schreck, 130 Nummern waren
vergeben, dementsprechend hektisch war dann auch die Startphase. Aber oben an
der Huberhöhe hatte sich das Feld bereits sondiert, 42 Fahrer fuhren
über die Kuppe und blieben bis auf zwei Ausreißer zusammen. Also
Massensprint um Bronze. Der Einlauf war wie immer sehr verbissen und daher
gefährlich. Ich hielt mich raus und wurde trotzdem noch 24. Meine Beine
waren echt gut und ich war problemlos über die Steigungen gekommen.
Reinhard Scheer war nicht mitgefahren, da er kein Risiko vor seiner
Zeitfahr-WM eingehen wollte. Am Dienstag dann mein eigentliches
Weltcuprennen. An der Huberhöhe fuhren ein Franzose und ein
Neuseeländer auf und davon. Ich initiierte eine sechsköpfige
Verfolgergruppe, die aber nur zur Hälfte bis Schwendt ordentlich
kreiselte und vor dem 2. Anstieg von den „Rollern" eingeholt wurde. Wir
waren dann 34 Verfolger, die um Bronze kämpften. Obwohl der Endkampf
für mich günstig lief, wurde ich nach einem 250m-Spurt „nur"
4. aus dem Feld und damit also Gesamtsechter. Ein schöner großer
Pokal war der Lohn. - Die WM musste es also bringen!
Am Mittwoch dann fand die Zeitfahr-Weltmeisterschaft statt. Hier verfehlte
Reinhard Scheer nur ganz knapp den WM-Titel mit einer Zeit von 27.13 min. Ich
hielt die Beine still und kämpfte nicht gegen die Uhr. Die 2.
Hälfte der Woche, also Donnerstag bis Samstag, war der
UCI-Weltmeisterschaft vorbehalten.
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Der
Müllsack von den Bauarbeitern am Streckenrand |
Am Donnerstag wurde Reinhard Scheer in der Altersklasse 65-69 Weltmeister,
nachdem ein Italiener, welcher, weil wegen Doping gesperrt, unter falschen
Namen gestartet war, disqualifiziert wurde. Am Freitag war dann mein
großer Tag. Entsprechend heftig mein Adrenalinspiegel. Der Tag
versprach schön zu werden. Auf der Warmfahrstrecke waren dann alle
entsprechend sommerlich angezogen. Dann aber zog unvermittelt, wie es
allerdings im Hochgebirge typisch ist, kurz vor dem Start ein Unwetter auf.
Zum Umkleiden blieb keine Zeit mehr. Der Start erfolgte in strömendem
Regen und es kam heftiger Wind begleitet von einem Kälteeinbruch auf.
Trotz eigentlich ungeeigneter Laufräder und Reifen „schwamm"
ich, kaum etwas durch die optische Sonnenbrille sehend, im vorderen Feld
mit. Vier Ausreißer konnten sich mit 18 Sekunden ins Ziel retten. 17
Rennfahrer spurteten um Platz 5. Durch einen Sturz im rangelnden Feld nahe
der 1000m-Marke leicht behindert, holte ich im Spurt noch mächtig auf
und belegte den 12. Gesamtrang Bei dieser Unwetterfahrt mit nicht ganz
regulären Bedingungen noch eine ansprechende Platzierung und eine gute
Ausgangsbedingung für 2011(!). Bei der allabendlichen Siegerehrung
bekam ich meinen 14. Pokal innerhalb meiner 10jährigen
Teilnahme.
Es war eine schöne und hochklassige Rennwoche und für mich ein
14tägiger Urlaub in Österreich. Es war aber auch die letzte UCI
Weltmeisterschaft! Die UCI ordnet ab 2011 die Senioren dem Breitensport zu.
Damit werden die Masters zu Hobby-Fahrern. Auf einem Flugblatt jedoch
verspricht der Organisator der Renntage in St.Johann weiterhin eine WM auf
Basis einer neu geschaffenen Föderation. Nach dem Motto: - es gibt ja
auch mehrere Box-Weltmeister -..... Das Ganze jedoch symptomatisch.
„Der Einfluss vieler Senioren auf das Bestehen und die Entwicklung
der Vereine und die Vorbildwirkung wird nicht gewürdigt."
Außerdem unterscheidet sich der lizenzierte Masters deutlich im
Leistungsvermögen vom „Hobby". Vielleicht ändert man die
Entscheidung noch einmal, wenn genügend Proteste beim UCI eingehen und
die nationalen Verbände Einspruch einlegen.
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